
Nicht jede Reise beginnt mit einem Ticket. Manchmal genügt der erste Satz.
Im Februar empfehlen wir einen klassischen Wettlauf gegen die Zeit, eine intime Geschichte eines amerikanischen Arbeiters und eine monumentale Familiensaga vor dem Hintergrund Georgiens. Drei sehr unterschiedliche Wanderungen – durch Raum, Erinnerung und Geschichte.
Die Reihe ist nicht gesponsert. Das einzige Kriterium für das inoffizielle Qualitätssiegel von Books Factory ist der subjektive Wert der jeweiligen Veröffentlichung.
Jules Verne, „In 80 Tagen um die Welt“
Als der Roman 1872 erschien, befand sich die Welt mitten in einer technologischen Revolution. Die Eröffnung des Suezkanals verkürzte Handelswege, die Eisenbahn beschleunigte das Reisen, und die Weltkarte schien zu schrumpfen.
Phileas Fogg wettet, dass er die Erde in achtzig Tagen umrunden kann. Gemeinsam mit seinem treuen Passepartout bricht er auf, dicht gefolgt vom Detektiv Fix. Züge, Dampfschiffe, ein Elefant in Indien und improvisierte logistische Lösungen stehen bevor. Vernes Roman erzählt von Präzision, verrinnender Zeit und dem Glauben an den Fortschritt.
Beim Lesen heute denkt man unweigerlich an unsere eigene Epoche. An Interkontinentalflüge, Satellitenkarten auf dem Smartphone, daran, dass wir Orte in Sekunden sehen können, für die Vernes Figuren Wochen brauchten. Und dennoch bringt die rasende Welt keine Ruhe, sondern stürzt die Menschheit in Lärm und Chaos.
„In 80 Tagen um die Welt“ ist mehr als ein Abenteuerroman. Er hält den Moment fest, in dem die Menschheit glaubte, die Technik könne die Wirklichkeit beherrschen. Im 21. Jahrhundert fragen wir uns noch immer, ob das tatsächlich möglich ist.

Denis Johnson, „Train Dreams“
Erste Hälfte des 20. Jahrhunderts. Berge, Wälder, Schnee – und dazwischen ein Mann, der am Rand lebt, dort, wo es gerade Arbeit gibt. Robert Grainier zieht durch Idaho, kommt in den Bundesstaat Washington, nahe an die kanadische Grenze. Er baut Eisenbahnlinien, repariert Brücken, arbeitet im Wald. Sein Leben ist kein American Dream, sondern eine stille, bescheidene Existenz, geprägt von Wiederholung.
Dann kommt das Feuer. Die Flammen verschlingen sein Haus – und mit ihm seine Frau und Tochter.
Denis Johnson führt diese Geschichte nicht zu einem spektakulären Finale. Er zeigt vielmehr, wie ein Mensch lernt, mit der Gewissheit zu leben, dass die Welt eine Lücke enthält, die sich nicht schließen lässt. „Train Dreams“ ist kurz, karg und präzise.
Es ist eine Erzählung darüber, weiterzugehen, auch wenn man nicht mehr weiß, warum. Und über eine Melancholie, die kein flüchtiger Zustand ist, sondern ein dauerhaftes Hintergrundrauschen – wie der Geruch von Rauch, der noch lange an der Kleidung haftet, nachdem das Feuer erloschen ist.
Der Roman wurde zudem von Regisseur Clint Bentley verfilmt und war unter anderem für den Oscar in der Kategorie Bester Film nominiert.

Nino Haratischwili, „Das achte Leben (Für Brilka). Band 1“
Anfang des 20. Jahrhunderts. Georgien unter zaristischer Herrschaft. Die Familie Jaschi wächst im Schatten einer Geschichte auf, die menschliche Pläne ohne Vorwarnung verändert.
„Das achte Leben“ ist eine über Generationen erzählte Saga: von der Oktoberrevolution über den stalinistischen Terror, den Zweiten Weltkrieg, den Zerfall der Sowjetunion bis in die Gegenwart. Die Erzählerin Niza versucht, das Schicksal ihrer Familie zu verstehen und ihren eigenen Platz zwischen Georgien und dem Westen zu finden.
Haratischwili verbindet historische Präzision mit einer sehr persönlichen Perspektive. Es geht um Politik, Loyalität, Verrat, Ehrgeiz und die ererbte Last der Vergangenheit. Im Hintergrund pulsiert das Motiv einer geheimnisvollen Schokoladenrezeptur – Symbol einer Familienlegende, die verführt und zerstört.
Wenn Verne die Welt in Bewegung zeigt und Johnson den Menschen vor der Landschaft, erinnert Haratischwili daran, dass die schwierigsten Wege durch Geschichte und Erinnerung führen.

Drei unterschiedliche Richtungen
Im Februar empfehlen wir:
- ein klassisches Abenteuer, das erstaunlich aktuell wirkt,
- eine intime Geschichte aus dem amerikanischen Grenzland,
- eine epische Familiensaga, in der private Schicksale mit der europäischen Geschichte verwoben sind.
Und wenn Sie selbst an einem Buch arbeiten und darüber nachdenken, wie es gedruckt aussehen wird, lohnt es sich, daran zu denken: Jede Geschichte durchläuft ebenfalls ihren Weg – von der Datei zum fertigen Exemplar.