{"id":8156,"date":"2026-10-13T14:14:08","date_gmt":"2026-10-13T12:14:08","guid":{"rendered":"https:\/\/booksfactory.pl\/blog\/drei-ausgaben-von-das-haus-book-anatomy\/"},"modified":"2026-10-16T16:09:27","modified_gmt":"2026-10-16T14:09:27","slug":"drei-ausgaben-von-das-haus-book-anatomy","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/booksfactory.pl\/blog\/drei-ausgaben-von-das-haus-book-anatomy\/?lang=de","title":{"rendered":"Drei Ausgaben von \u201eDas Haus\u201c \u2013 Book Anatomy"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/booksfactory.pl\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/37_Book_Anatomy_02_1200x900-1024x768.jpg\" alt=\"Moderator von Book Anatomy in schwarzer Books-Factory-Jacke mit drei Ausgaben von &#x201E;Das Haus&#x201C;: MAG, Znak und Doubleday\" class=\"wp-image-8136\" srcset=\"https:\/\/booksfactory.pl\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/37_Book_Anatomy_02_1200x900-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/booksfactory.pl\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/37_Book_Anatomy_02_1200x900-300x225.jpg 300w, https:\/\/booksfactory.pl\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/37_Book_Anatomy_02_1200x900-768x576.jpg 768w, https:\/\/booksfactory.pl\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/37_Book_Anatomy_02_1200x900.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n<div style=\"height:30px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Borges wusste, dass das gef\u00e4hrlichste Labyrinth keine W\u00e4nde hat. In \u201eDer Garten der Pfade, die sich verzweigen\u201c erweist sich das Labyrinth als Buch. Mark Z. Danielewski ging noch einen Schritt weiter und schrieb einen Roman, in dem das Labyrinth der Handlung Teil des Satzes wird. Der Text flieht an die R\u00e4nder, steht kopf, verirrt sich in Fu\u00dfnoten und l\u00e4sst auf einer Seite manchmal nur sechs W\u00f6rter und eine gro\u00dfe Leere zur\u00fcck.<br\/><br\/>In der zweiten Folge von <a href=\"https:\/\/booksfactory.pl\/blog\/fourth-wing-drei-ausgaben-ein-buch-drei-versprechen\/?lang=de\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/booksfactory.pl\/blog\/czwarte-skrzydlo-trzy-wydania-trzy-rozne-obietnice\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Book Anatomy<\/a> nehmen wir drei Ausgaben von \u201eDas Haus\u201c (im Original \u201eHouse of Leaves\u201c) auseinander: die britische von Doubleday (2024) sowie zwei polnische, von MAG (2016) und von Znak (2024). Die Handlung bewerten wir nicht. Uns interessiert, wie jede dieser Ausgaben als Gegenstand gestaltet wurde und was die Konstruktion dieses Buches Verlag und Druckerei abverlangt.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" style=\"font-size:24px\">Ein Roman, der in jeder Sprache neu gesetzt werden muss<\/h2>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Fotojournalist Will Navidson zieht mit seiner Familie in ein Haus, das innen gr\u00f6\u00dfer ist als au\u00dfen. Die Geschichte dieses Hauses h\u00e4lt ein alter Mann auf losen Bl\u00e4ttern fest. Nach seinem Tod versieht sie jemand ganz anderes mit eigenen Fu\u00dfnoten: Johnny Truant. Drei Stimmen, drei Erz\u00e4hlebenen, Hunderte Verweise.<br\/><br\/>In einem typischen Buch flie\u00dft der Text in der Spalte, Absatz f\u00fcr Absatz. Wird eine \u00dcbersetzung l\u00e4nger als das Original, l\u00e4uft sie einfach auf die folgenden Seiten \u00fcber. Das Buch w\u00e4chst um einen Bogen, und der Leser merkt nichts. Bei Danielewski funktioniert das nicht, denn die Seite ist eine Komposition, kein Beh\u00e4lter. Ein einzelnes Wort steht in einer bestimmten Ecke, und ein Textrahmen muss genau dort bleiben, wo er ist. Eine Fu\u00dfnote l\u00e4uft quer \u00fcber den Rand oder steht auf dem Kopf, und eine leere Seite ist absichtlich leer und darf nicht gef\u00fcllt werden. Jeder dieser R\u00e4ume muss in jeder Sprache neu gebaut werden. Ein solcher Satz ist in der Praxis eine typografische \u00dcbersetzung.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" style=\"font-size:24px\">Farbe, die die Kalkulation der Auflage ver\u00e4ndert<\/h2>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zum Satz kommt die Druckfarbe. Das Wort \u201eHaus\u201c ist in diesem Roman jedes Mal blau, auch dann, wenn es sich in einem anderen Wort versteckt. \u201eMinotaurus\u201c und lange durchgestrichene Passagen sind, mit einer kleinen Ausnahme, rot. Die Farbe tr\u00e4gt Bedeutung und l\u00e4sst sich deshalb nicht als Dekoration behandeln.<br\/><br\/>Das wirkt sich sofort auf die Kosten aus. In einem typischen Buch erscheint Farbe auf dem Umschlag und den Vors\u00e4tzen, manchmal auf einer separaten Beilage. Der Buchblock wird in einer einzigen Farbe gedruckt, Schwarz, weil das deutlich g\u00fcnstiger ist als volles CMYK. Danielewski hat diese Ersparnis zunichtegemacht: Bei ihm verteilt sich die Farbe \u00fcber 700 Seiten. Der Verlag hat also die Wahl \u2013 volles CMYK in jedem Bogen oder der Verzicht auf das Spiel, zu dem der Autor einl\u00e4dt.<br\/><br\/>Die Verlage haben sich unterschiedlich entschieden, deshalb kursierten mehrere Versionen desselben Romans: eine vollfarbige, eine zweifarbige, eine schwarz-wei\u00dfe und eine unvollst\u00e4ndige Arbeitsfassung des Autors. Jede weitere Stufe bedeutet eine andere Kostenschwelle und einen anderen Grad der Beschneidung des Entwurfs. In der Schwarz-Wei\u00df-Version erl\u00f6schen die Signale, und der Leser erh\u00e4lt einen Text, bei dem ein Teil der Bedeutung abgeschaltet ist.<br\/><br\/>Interessanterweise sagen die Verlage das offen. Auf der Impressumsseite aller drei hier besprochenen Exemplare ist eine Tabelle der Varianten abgedruckt, und ein Rahmen um eine der Spalten zeigt, welche Version ihr gerade gekauft habt. Eine ehrlichere Preisliste ist kaum vorstellbar. Alle drei Ausgaben, die wir vergleichen, sind vollfarbige Versionen.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" style=\"font-size:24px\">Doubleday 2024: ein Titel, versteckt im Schwarz<\/h2>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die britische Ausgabe ist die erste Hardcover-Ausgabe von \u201eHouse of Leaves\u201c auf dem britischen Markt. Sie erschien erst 24 Jahre nach der Erstver\u00f6ffentlichung des Buches. Im Impressum fehlt eine Angabe zur Person, die f\u00fcr den Satz verantwortlich war.<br\/><br\/>Der Schutzumschlag verbindet Schwarz und Silber auf matt gestrichenem Papier, einseitig bedruckt. Ein Detail \u00fcbersieht man leicht: Die Klappen wurden nicht beschnitten, sodass sie bei geschlossenem Buch leicht \u00fcber die Kante hinausragen.<br\/><br\/>Das eigentliche Fest wartet unter dem Schutzumschlag. Es ist ein schwarzer Bezug mit deutlicher Leinenstruktur, darauf ein Grundriss und eine Wendeltreppe. Auf dem R\u00fccken l\u00e4uft das Muster in Silber und f\u00e4llt sofort ins Auge. Auf dem Vorderdeckel ist der Effekt subtiler. Mit dem Fingernagel sp\u00fcre ich eine minimale Vertiefung, was auf eine Pr\u00e4gung mit transparenter Folie hindeutet. M\u00f6glich ist auch schwarze Folie auf schwarzem Grund, dann entsteht der ganze Effekt aus dem Glanzunterschied. Mit blo\u00dfem Auge l\u00e4sst sich das nicht kl\u00e4ren, was bei einem Buch \u00fcber Dinge, die in W\u00e4nden verborgen sind, geradezu perfekt erscheint.<br\/><br\/>Der R\u00fccken erg\u00e4nzt den Rest: \u201eHouse\u201c gl\u00e4nzt in Silber, w\u00e4hrend \u201eof Leaves\u201c im Schwarz verschwindet. Auf der R\u00fcckseite stehen die ersten S\u00e4tze des Erz\u00e4hlers, ebenfalls gepr\u00e4gt und nur schr\u00e4g lesbar.<br\/><br\/><a href=\"https:\/\/booksfactory.pl\/blog\/was-macht-ein-buchbinder-bei-der-buchproduktion\/?lang=de\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/booksfactory.pl\/blog\/czym-zajmuje-sie-introligator\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Buchbinderisch ist das die beste Ausgabe im Vergleich<\/a>. Deckel aus 3 mm starker Pappe, ein fadengehefteter und geklebter Buchblock, ein gerundeter R\u00fccken. Die Abpressung ist vorhanden, k\u00f6nnte aber tiefer und gleichm\u00e4\u00dfiger sein. Das Buch \u00f6ffnet sich sehr gut: Es liegt flach und versucht nicht, zuzuklappen. Dazu kommen ein schwarzes Kapitalb\u00e4ndchen und ein schwarzes Leseb\u00e4ndchen, das einzige im Trio. Im Inneren finden sich die einzigen beidseitig bedruckten Vors\u00e4tze im Vergleich, und zwar mit Folgen aus Hexadezimalcode statt Ornamenten.<br\/><br\/>Format 24 \u00d7 19 cm, 710 Seiten, ein 4,5 cm dicker Buchblock. Das Papier ist wei\u00df und d\u00fcnn, und der Druck scheint stellenweise auf die R\u00fcckseite durch. Das ist der Preis daf\u00fcr, bei so gro\u00dfem Format eine vern\u00fcnftige Dicke zu halten.<\/p>\n\n<div class=\"wp-block-group has-background is-content-justification-center is-nowrap is-layout-flex wp-container-core-group-is-layout-f56f9fcf wp-block-group-is-layout-flex\" style=\"background-color:#d7d7d7\">\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-1 wp-container-content-e29552f7 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-style-default\"><img decoding=\"async\" width=\"390\" height=\"605\" data-id=\"8139\" src=\"https:\/\/booksfactory.pl\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/EN.jpg\" alt=\"Schutzumschlag der britischen Ausgabe von &#x201E;House of Leaves&#x201C; (Doubleday 2024): k&#xF6;rnige Schwarz-Wei&#xDF;-Grafik und ein Zitat aus dem &#x201E;Guardian&#x201C;\" class=\"wp-image-8139\" srcset=\"https:\/\/booksfactory.pl\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/EN.jpg 390w, https:\/\/booksfactory.pl\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/EN-193x300.jpg 193w\" sizes=\"(max-width: 390px) 100vw, 390px\" \/><\/figure>\n<\/figure>\n<\/div>\n\n<div style=\"height:30px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" style=\"font-size:24px\">MAG 2016: das Labyrinth in voller Sicht<\/h2>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die zweite Auflage in der \u00dcbersetzung von Wojciech Szypu\u0142a ist die einzige Ausgabe im Vergleich mit einer vollst\u00e4ndig polnischen Gestaltung. Die Illustration stammt von Irek Konior, das Grafikdesign von Piotr Chyli\u0144ski, Typografie und Satz von Tomek Laisar Fru\u0144. Ihm fiel die undankbarste Aufgabe zu: das Labyrinth auf Polnisch neu zu bauen.<br\/><br\/>Hier versteckt sich das Labyrinth nirgends. Ein silber-schwarzes Muster bedeckt den gesamten Schutzumschlag. In seiner Mitte tritt \u201eDom\u201c (\u201eHaus\u201c) als Hochpr\u00e4gung mit blauer Metallic-Folie hervor, w\u00e4hrend \u201ez li\u015bci\u201c (\u201eaus Bl\u00e4ttern\u201c) ins Papier eingepr\u00e4gt ist. Hoch- und Tiefpr\u00e4gung nebeneinander auf einem Umschlag \u2013 das ist mutig und konsequent, und selbst die unbeschnittenen Klappen nehmen dem nichts. Schlechter wird es, wenn man den Schutzumschlag abnimmt. Darunter wartet dieselbe Titelkomposition, nur ohne Labyrinth. Wiederholung statt Enth\u00fcllung.<br\/><br\/>Buchbinderisch geht es eine Stufe nach unten. Die Vors\u00e4tze sind wei\u00df und unbedruckt. Deckel aus 2 mm starker Pappe, ein fadengehefteter und geklebter Buchblock, ein gerundeter R\u00fccken. Die Abpressung ist jedoch deutlich flacher als bei der britischen Ausgabe, sodass sich das Buch weniger bequem \u00f6ffnen l\u00e4sst. Wei\u00dfes Kapitalb\u00e4ndchen, kein Leseb\u00e4ndchen.<br\/><br\/>Format 23 \u00d7 16,5 cm, 800 Seiten, ein Buchblock von \u00fcber 5 cm Dicke. Das Papier \u00e4hnelt dem der britischen Ausgabe und scheint ebenso durch. Das ist die schmalste Seite und der gr\u00f6\u00dfte Umfang im Vergleich, was gleich entscheidend wird.<\/p>\n\n<div class=\"wp-block-group has-background is-content-justification-center is-nowrap is-layout-flex wp-container-core-group-is-layout-f56f9fcf wp-block-group-is-layout-flex\" style=\"background-color:#d7d7d7\">\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-2 wp-container-content-e29552f7 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-style-default\"><img decoding=\"async\" width=\"390\" height=\"605\" data-id=\"8140\" src=\"https:\/\/booksfactory.pl\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/MAG.jpg\" alt=\"Schutzumschlag der polnischen MAG-Ausgabe von &#x201E;Das Haus&#x201C; (2016): schwarzes Labyrinth auf silbernem Grund mit dem blauen Titel &#x201E;Dom z li&#x15B;ci&#x201C;\" class=\"wp-image-8140\" srcset=\"https:\/\/booksfactory.pl\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/MAG.jpg 390w, https:\/\/booksfactory.pl\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/MAG-193x300.jpg 193w\" sizes=\"(max-width: 390px) 100vw, 390px\" \/><\/figure>\n<\/figure>\n<\/div>\n\n<div style=\"height:30px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" style=\"font-size:24px\">Znak 2024: zur\u00fcck zur Quelle<\/h2>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieselbe \u00dcbersetzung von Szypu\u0142a, aber eine v\u00f6llig andere visuelle Strategie. Den Umschlag entwarf Eric Fuentecilla, der Gestalter des urspr\u00fcnglichen amerikanischen Covers aus dem Jahr 2000, die polnische Adaption stammt von Karolina Korbut. Znak kehrt bewusst zur Quelle zur\u00fcck, statt eine eigene Sprache zu suchen.<br\/><br\/>Einen Schutzumschlag gibt es gar nicht. Das ganze Gewicht tr\u00e4gt der bedruckte Deckenbezug mit UV-Lack: ein schwarzer Grundriss, eine Treppenspirale und in ihrer Mitte eine goldene Windrose. Elegant und ruhig, aber ohne einen Moment des Entdeckens, denn hier gibt es nichts abzunehmen.<br\/><br\/>Entsch\u00e4digt wird man durch die Vors\u00e4tze, die einzigen farbigen im Vergleich. Vorn eine Collage aus Linealen, Filmstreifen, einem Kompass und Blutflecken, hinten die Zeichnung eines Treppenhauses. Die Innenseiten der Deckel sind schwarz, mit Pressestimmen und einer Notiz \u00fcber den Autor. Ein Bereich, der oft an Wei\u00df verschenkt wird, arbeitet hier f\u00fcrs Marketing.<br\/><br\/>Deckel aus 2 mm starker Pappe wie bei MAG, ein fadengehefteter und geklebter Buchblock, ein sorgf\u00e4ltiger gerundeter R\u00fccken. Die Abpressung \u00fcberzeugt noch immer nicht, doch das Buch \u00f6ffnet sich deutlich besser und fast so gut wie die britische Ausgabe. Schwarzes Kapitalb\u00e4ndchen, kein Leseb\u00e4ndchen.<br\/><br\/>F\u00fcr den Buchblock wurde das beste Papier im Vergleich gew\u00e4hlt: ungestrichen, leicht gr\u00e4ulich, rau und k\u00fchl in der Haptik, nahezu blickdicht. Format 23,5 \u00d7 17 cm, 764 Seiten und nur 4 cm Dicke. Damit ist der Block d\u00fcnner als der britische, obwohl er 54 Seiten mehr hat.<br\/><br\/>Zum Schluss mein Lieblingsdetail. Durchstreichungen haben in diesem Roman eine konkrete Funktion: Sie markieren Passagen, die jemand zu l\u00f6schen versuchte, die aber geblieben sind und sich weiterhin lesen lassen. Znak hat diese Konvention auf die eigene Impressumsseite \u00fcbertragen. Der Vermerk \u201eWydanie pierwsze, Krak\u00f3w 2024\u201c (\u201eErste Auflage, Krakau 2024\u201c) ist mit demselben Rot durchgestrichen, das sich durch den ganzen Roman zieht. Der Verlag hat das Buch in dessen eigener Sprache signiert.<\/p>\n\n<div class=\"wp-block-group has-background is-content-justification-center is-nowrap is-layout-flex wp-container-core-group-is-layout-f56f9fcf wp-block-group-is-layout-flex\" style=\"background-color:#d7d7d7\">\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-3 wp-container-content-e29552f7 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-style-default\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"390\" height=\"605\" data-id=\"8141\" src=\"https:\/\/booksfactory.pl\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/ZNAK.jpg\" alt=\"Umschlag der polnischen Znak-Ausgabe von &#x201E;Das Haus&#x201C; (2024): schwarzer Grundriss, Treppenspirale und goldene Windrose, &#x201E;Dom&#x201C; in Blau\" class=\"wp-image-8141\" srcset=\"https:\/\/booksfactory.pl\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/ZNAK.jpg 390w, https:\/\/booksfactory.pl\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/ZNAK-193x300.jpg 193w\" sizes=\"(max-width: 390px) 100vw, 390px\" \/><\/figure>\n<\/figure>\n<\/div>\n\n<div style=\"height:30px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" style=\"font-size:24px\">Drei Ausgaben in Zahlen<\/h2>\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><thead><tr><td><strong>Merkmal<\/strong><\/td><td><strong>Doubleday 2024<\/strong><\/td><td><strong>MAG 2016<\/strong><\/td><td><strong>Znak 2024<\/strong><\/td><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Format<\/td><td>24 \u00d7 19 cm<\/td><td>23 \u00d7 16,5 cm<\/td><td>23,5 \u00d7 17 cm<\/td><\/tr><tr><td>Seitenzahl<\/td><td>710<\/td><td>800<\/td><td>764<\/td><\/tr><tr><td>Blockdicke<\/td><td>4,5 cm<\/td><td>\u00fcber 5 cm<\/td><td>4 cm<\/td><\/tr><tr><td>Deckelpappe<\/td><td>3 mm<\/td><td>2 mm<\/td><td>2 mm<\/td><\/tr><tr><td>Schutzumschlag<\/td><td>Schwarz und Silber, matt gestrichenes Papier<\/td><td>Labyrinth, Hoch- und Tiefpr\u00e4gung<\/td><td>keiner<\/td><\/tr><tr><td>Vors\u00e4tze<\/td><td>beidseitig bedruckt, Hexadezimalcode<\/td><td>wei\u00df<\/td><td>farbig<\/td><\/tr><tr><td>Kapitalb\u00e4ndchen \/ Leseb\u00e4ndchen<\/td><td>schwarz \/ schwarz<\/td><td>wei\u00df \/ keins<\/td><td>schwarz \/ keins<\/td><\/tr><tr><td>Papier<\/td><td>wei\u00df, d\u00fcnn, scheint durch<\/td><td>\u00e4hnlich der britischen Ausgabe, scheint durch<\/td><td>ungestrichen, gr\u00e4ulich, nahezu blickdicht<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" style=\"font-size:24px\">Seitenbreite \u2013 der Kern der Sache<\/h2>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die britische Seite ist 19 cm breit, die polnischen messen 16,5 cm (MAG) und 17 cm (Znak). Das sind bis zu 2,5 cm Unterschied in einem Buch, dessen Text an den Rand l\u00e4uft, sich dreht und in Textrahmen springt. Doubleday hat diesem Layout Luft verschafft. Bezahlt hat der Verlag daf\u00fcr mit einem Format, das schlecht in der Hand liegt und in keinen Rucksack passt.<br\/><br\/>Die polnischen Verlage hatten die schwierigere Aufgabe. Polnisch braucht mehr Platz als Englisch, und die Seiten d\u00fcrfen nicht beliebig umgebaut werden. MAG l\u00f6ste das \u00fcber den Umfang und kam auf 800 Seiten bei der schmalsten Spalte im Vergleich. Znak brachte dieselbe \u00dcbersetzung auf 36 Seiten weniger unter, weil seine Seite einen halben Zentimeter breiter ist. Papier mit geringerem Volumen bescherte dem Verlag zus\u00e4tzlich den d\u00fcnnsten Buchblock im Vergleich. \u00dcber die gesamte Auflage bedeuten 36 Seiten weniger Papier und ganz konkretes Geld.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" style=\"font-size:24px\">Urteil und Book Anatomy Score<\/h2>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">M\u00fcsste ich ein einziges Exemplar im Regal behalten, w\u00fcrde ich die britische Ausgabe nehmen. Nicht weil sie die sch\u00f6nste ist, sondern weil sie als einzige versteht, worum es in diesem Buch geht, und das in die Gestaltung \u00fcbertr\u00e4gt. Ein Roman \u00fcber Dinge, die in W\u00e4nden verborgen sind, versteckt seinen eigenen Titel im Schwarz. Das Zitat des Erz\u00e4hlers wird erst schr\u00e4g lesbar, und das Muster auf dem Bezug bleibt an der Grenze des Sichtbaren. Statt dekorativer Vors\u00e4tze bekommen wir rohen Code. Die Form wiederholt hier die postmoderne Geste des Inhalts.<br\/><br\/>Znak schneidet am vern\u00fcnftigsten ab: das beste Papier, der sorgf\u00e4ltigste Buchblock, die bequemste Lekt\u00fcre und Respekt vor dem Original, statt krampfhaft einen eigenen Weg zu suchen. MAG hat den mutigsten polnischen Entwurf, verliert aber das, worauf Danielewski aufbaut: den Unterschied zwischen dem, was sichtbar ist, und dem, was erst enth\u00fcllt werden muss.<br\/><br\/>Im Book Anatomy Score bewerten wir weder die Handlung noch die Frage, ob Johnny endlich schlafen gehen sollte, sondern ausschlie\u00dflich die Ausgabe als Gegenstand:<\/p>\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li style=\"margin-right:var(--wp--preset--spacing--50);margin-left:var(--wp--preset--spacing--50)\"><strong>Doubleday 2024: 4,75 Books von 5<\/strong>. Die einzige Ausgabe, in der die Veredelungen dasselbe sagen wie der Text. Ein Viertel Abzug f\u00fcr unausgereifte Details der Verarbeitung.<\/li>\n\n\n\n<li style=\"margin-right:var(--wp--preset--spacing--50);margin-left:var(--wp--preset--spacing--50)\"><strong>Znak 2024<\/strong>: 4 Books. Das am besten gemachte Buch im Vergleich, nur gibt es ohne Schutzumschlag hier nichts zu enth\u00fcllen.<\/li>\n\n\n\n<li style=\"margin-right:var(--wp--preset--spacing--50);margin-left:var(--wp--preset--spacing--50)\"><strong>MAG 2016<\/strong>: 3,5 Books. Der mutigste polnische Entwurf, der genau dort stehen bleibt, wo der Bezug beginnt.<\/li>\n<\/ul>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und ihr? Welche Ausgabe w\u00fcrdet ihr ins Regal stellen? Wenn ihr die zweifarbige oder die Schwarz-Wei\u00df-Version besitzt, schreibt es in die Kommentare unter der Folge \u2013 ich w\u00fcrde sie sehr gern sehen.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe title=\"Nie ka\u017cde wydanie tej ksi\u0105\u017cki jest kompletne | Dom z li\u015bci \u2013 3 edycje\" width=\"500\" height=\"281\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/22-zbSRPuk8?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n<div style=\"height:30px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Quellen:<\/p>\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li style=\"margin-right:var(--wp--preset--spacing--50);margin-left:var(--wp--preset--spacing--50)\">\u201eHouse of Leaves\u201c, Doubleday 2024, ISBN 978-1-5299-4399-3<\/li>\n\n\n\n<li style=\"margin-right:var(--wp--preset--spacing--50);margin-left:var(--wp--preset--spacing--50)\">\u201eDom z li\u015bci\u201c, Wydawnictwo MAG 2016, \u00dcbersetzung: Wojciech Szypu\u0142a, ISBN 978-83-7480-657-2<\/li>\n\n\n\n<li style=\"margin-right:var(--wp--preset--spacing--50);margin-left:var(--wp--preset--spacing--50)\">\u201eDom z li\u015bci\u201c, Znak 2024, \u00dcbersetzung: Wojciech Szypu\u0142a, ISBN 978-83-240-9979-5<\/li>\n<\/ul>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Roman, in dem der Satz Teil der Handlung ist, stellt Verlag und Druckerei vor eine Herausforderung. Wir zeigen, wie drei Ausgaben von \u201eDas Haus\u201c sie gemeistert haben: die britische von Doubleday und zwei polnische, von MAG und von 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